DBB AKADEMIE An Herausforderungen verzweifeln oder an ihnen wachsen? Selbstwirksamkeit als Instrument beim Umgang mit beruflichen Herausforderungen Der öffentliche Dienst ist das Rückgrat unserer Gesellschaft – er sorgt für Sicherheit, Gesundheit und den reibungslosen Ablauf wichtiger Verwaltungsaufgaben. Doch trotz dieser enormen gesellschaftlichen Bedeutung kämpfen viele Menschen, die in diesen Berufen tätig sind, mit strukturellen Herausforderungen, die das Gefühl von Ungerechtigkeit hervorrufen. Sei es der Personalmangel im Krankenhaus, die wachsende Arbeitsbelastung bei der Polizei oder die bürokratischen Hürden im Verwaltungsbereich – immer mehr Beschäftigte stehen vor der Frage, wie sie unter diesen Bedingungen dennoch ihre Selbstwirksamkeit erhalten und den Arbeitsalltag sinnvoll gestalten können. Ungerechtigkeit im Arbeitsalltag kann viele Formen annehmen. Oft fühlen sich Beschäftigte im öffentlichen Dienst durch die Arbeitsbedingungen oder fehlende Anerkennung benachteiligt. Wie können Arbeitnehmer und Beamte diese Herausforderungen meistern, ohne sich dauerhaft machtlos zu fühlen? Selbstwirksamkeit Selbstwirksamkeit beschreibt das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen. Wer sich selbst als handlungsfähig erlebt, kann auch unter schwierigen Bedingungen Motivation schöpfen und kreative Lösungen finden. Gerade in Berufen des öffentlichen Dienstes, wo die tägliche Arbeit oft von Systemzwängen geprägt ist, kann das Gefühl von Selbstwirksamkeit wirken. Ein Beispiel sind Pflegekräfte, die trotz knapper Ressourcen Möglichkeiten finden, ihren Patienten individuelle Aufmerksamkeit zu schenken, indem sie ihre Arbeitsprozesse effizient gestalten. Polizist*innen können Kommunikationsstrategien lernen, wie sie in konfliktbeladenen Situationen deeskalierend agieren können – auch wenn sie sich von der Politik oder den Medien missverstanden fühlen. Forschende an Universitäten setzen sich oft intensiv für Themen ein, die sie trotz bürokratischer Hürden als gesellschaftlich relevant erachten. Auch das Engagement im Personalrat, in einer Gewerkschaft oder als Vertreter schwerbehinderter Menschen führt dazu, Selbstwirksamkeit zu erfahren. Weiterbildung Die eigene fachliche und persönliche Entwicklung aktiv voranzutreiben, kann dabei helfen, die berufliche Umgebung und den eigenen Umgang mit Herausforderungen besser gestalten zu können. Dies gilt insbesondere in Bereichen, in denen die beruflichen Rahmenbedingungen als starr und unveränderbar wahrgenommen werden. Oft gibt es mehr Alternativen, als sich mit dem eigenen „betriebsblinden Tunnelblick“ erfassen lassen. Die aktive Beteiligung in betrieblichen Gremien wie dem Personalrat oder in Gewerkschaften ermöglicht es Beschäftigten, direkt Einfluss auf Arbeitsbedingungen und Entscheidungsprozesse zu nehmen. Durch das kollektive Engagement kann das Gefühl von Hilflosigkeit gegenüber strukturellen Ungerechtigkeiten reduziert werden. Gleichzeitig bietet es die Chance, die Interessen der Belegschaft zu vertreten, positive Veränderungen im eigenen Arbeitsumfeld zu bewirken und die eigene Entwicklung voranzutreiben. Gerade im öffentlichen Dienst ist es essenziell, sich eigene Grenzen zu setzen, um nicht auszubrennen. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen und das aktive Einfordern von Pausen und Erholungszeiten sind wichtige Schritte, um langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben. Es gibt diverse Stellen, an die sich die Beschäftigten im öffentlichen Dienst wenden können. Ein guter Start ist immer der Personalrat. Er kann über Ansprüche aus Dienstvereinbarungen informieren, deeskalierende Gespräche vermitteln oder das Anliegen an die Dienststellenleitung weiterleiten. Kann dieses Gremium nicht selbst helfen, kann es gegebenenfalls andere unterstützende Stellen nennen. Reflexion Es ist ungemein hilfreich, regelmäßig kleine und große Erfolge im Arbeitsalltag bewusst wahrzunehmen und sich daran zu erfreuen. Dies fördert das Gefühl, dass die eigene Arbeit einen Unterschied macht – sei es im direkten Umgang mit Menschen oder im Beitrag zu einem größeren Ganzen. Balance Es ist wichtig, sich die eigene Wirkungskraft immer wieder vor Augen zu führen, auch wenn diese vielleicht nicht auf den ersten Blick sichtbar ist. Selbst wenn dieser Beitrag im Großen oft nicht ausreichend gewürdigt wird, so hat jede*r Einzelne die Möglichkeit, im Arbeitsalltag die positiven Erlebnisse überwiegen zu lassen. Letztlich geht es darum, die Balance zu finden: einerseits sich nicht von den äußeren Umständen entmutigen zu lassen und andererseits die eigenen Grenzen zu kennen und für sich selbst zu sorgen. Nur so kann langfristig eine erfüllte, sinnvolle und sinnstiftende Tätigkeit im öffentlichen Dienst gewährleistet werden – trotz aller Herausforderungen, die der Arbeitsalltag mit sich bringt. Infos unter: www.dbbakademie.de _ © Mikki Orso/stock.adobe.com 38 SERVICE dbb magazin | April 2025
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