dbb magazin 10/2019

zeitweise komplett lahmge­ legt. Nach bis heute unbewie­ senen Vermutungen sollen die benachbarten Russen hinter dem Angriff gesteckt haben. Daraus, so Koch, hätten die Esten aber eben die richtigen Lehren gezogen und voll auf die Blockchain-Technologie gesetzt, das heißt die möglichst dezen­ trale Datenspeicherung. Selbst wenn ein Hackerangriff an einer Stelle erfolgreich wäre, könne er heute nicht mehr gleich das ganze System lahmlegen. << … über E-Estonia reden „Wir sparen zwei Prozent unse­ res Bruttosozialprodukts allein durch den Einsatz der E-Signa­ tur“, erklärt Slim Kallas, der Vizepräsident des Estnischen Parlaments im Gespräch. Es könnten wahrscheinlich sogar mehr sein, wenn der IT-Fach­ kräftemangel inzwischen nicht auch Estland fest im Griff hätte: „Uns fehlen über 8000 IT-Inge­ nieure, vor allem in der Indust­ rie, die in Sachen Digitalisierung mit dem öffentlichen Sektor ohnehin noch nicht mithalten kann.“ Weniger auskunftsfreudig sind die estnischen Gesprächspart­ ner bei Fragen nach der Ab­ grenzung von staatlichen und privatwirtschaftlichen Interes­ sen, den Auswirkungen der Di­ gitalisierung auf die Beschäf­ tigten im öffentlichen Dienst, nach damit verbundenem Per­ sonalabbau oder den Heraus­ forderungen der Barrierefrei­ heit von Online-Verfahren. Vielleicht gibt es in Estland kei­ ne Probleme mit zu viel Nähe zwischen Politik, Verwaltung und IT-Anbietern. Möglicher­ weise hat der Personalabbau wirklich keine so große Rolle gespielt, da die estnische Ver­ waltung in den 90er-Jahren zeitgleich aufgebaut und digi­ talisiert wurde und vielleicht sind die Schulungsaktivitäten der Regierung und die IT-Affi­ nität der Esten so stark, dass wirklich jede und jeder über die X-Road nach E-Estonia ge­ langen kann. Dazu gibt es in Broschüren, Vorträgen und Dis­ kussionen – selbst auf Nach­ frage – leider nur viel weniger fundierte Informationen und Statistiken. Völlig klar ist auf jeden Fall, dass die Regierung in Tallinn das kleine Land im Nordbalti­ kum hervorragend vermarktet. „E-Estonia“ stärkt als Label und als Symbol einer zukunfts­ orientierten Gesellschaft und eines effizienten Wirtschafts­ standorts mit Sicherheit die Wettbewerbsfähigkeit des Lan­ des beim Ringen um Investo­ ren, Besucher und vielleicht ja auch IT-Fachkräfte. zit << Informationsbesuch Vom2. bis 3. September 2019 waren die dbb Bundesleitung und die dbb Bundesjugend­ leitung zu Besuch in Estland, um sich über dortige E-Go- vernment-Konzepte zu in­ formieren. Dieser Bericht entstand im Zusammen­ hang mit der Informations­ fahrt, die von der dbb aka­ demie organisiert wurde. << Slim Kallas: Uns fehlen 8000 IT-Fachkräfte. > dbb magazin | Oktober 2019 dbb

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