dbb magazin 11/2019

frauen Hauptversammlung der dbb bundesfrauenvertretung Arbeiten 4.0 braucht Gleichstellung 4.0 Unter demMotto „Arbeiten 4.0 braucht Gleich­ stellung 4.0“ haben die Frauenvertreterinnen der dbb Mitgliedsgewerkschaften in Berlin am 27. und 28. September über nötige Gleichstellungsmaß­ nahmen beraten. Mit der neuen Abteilungsleiterin Gleichstellung im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) wurde die Umsetzung einer behördenübergreifenden Gleich­ stellungsstrategie für die obersten Bundesbehör­ den erörtert. Die obersten Bundesbehörden treten bei der Gleichstellung auf der Stelle. Bis 2025 sollen die Führungspositionen laut Zielvereinbarung im Koalitions­ vertrag in den obersten Bundes­ behörden paritätisch besetzt sein. Bisher ist die Bundesregie­ rung hier jedoch keinen Schritt vorangekommen. „Wir können weder Gestaltungswillen noch ein stringentes Personalentwick­ lungskonzept erkennen. Jede Behörde kocht weiterhin ihre eigene Gleichstellungssuppe, die Ergebnisse sind höchst un­ terschiedlich“, stellte dbb Chef Ulrich Silberbach zum Auftakt der Tagung heraus. Anlass zur Kritik geben die aktuellen Zah­ len des Gleichstellungsindex. Danach verzeichnen einzelne Bundesministerien zwar gute Fortschritte, insgesamt ist der Anteil an weiblichen Führungs­ kräften jedoch rückläufig. Aus Sicht des dbb und der dbb bundesfrauenvertretung steckt die Lösung in einer behörden­ übergeifenden Gleichstellungs­ strategie, die die Ressorts in die Verantwortung zwingt und auf konstruktiven Austausch setzt. << Behördenpraxis muss sich ändern Die kritische Auseinanderset­ zung mit der gelebten Behör­ denpraxis sei unabdingbar, hob Helene Wildfeuer, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertre­ tung, hervor. „Wir pochen seit Jahren auf eine behördenüber­ greifende Bestandsaufnahme der Maßnahmen, die zu Gleich­ stellungserfolgen führen. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat mit dem ‚gb-check‘, dem Gleichbehandlungscheck, das passende Prüfinstrument bereits entwickelt. Wichtige Anhaltspunkte, wo es mit der Gleichstellung gut läuft und wo es hakt, liefert der Gleich­ stellungsindex. Es gibt also kei­ ne Ausreden mehr für weitere Verzögerungen“, verdeutlichte die Vorsitzende der dbb bun­ desfrauenvertretung, Helene Wildfeuer. Der digitale Wandel der Arbeits­ welt erfordere neue Kriterien, anhand derer dienstliche Leis­ tung bewertet werde. Weniger die Präsenszeit als die Produkti­ vität der Beschäftigten müsse ausschlaggebend für das Fort­ kommen sein. Durch Modelle wie „Führen aus der Ferne“ oder „Führen in Teilzeit“ werde es für Frauen einfacher, in verantwor­ tungsvolle Positionen vorzurü­ cken. „So kommen wir auch zu einem tatsächlichen Kulturwan­ del in den Behörden. Arbeiten 4.0 braucht Gleichstellung 4.0“, erklärte Wildfeuer. << Solidarisch für erfolg­ reiche Gleichstellung Daniela Behrens, die im August die Leitung der Abteilung Gleich­ stellung im BMFSFJ übernom­ men hat, trat der Forderung nach einer Gleichstellungsstra­ tegie für die Bundesbehörden offen entgegen. Ein entspre­ chendes Vorhaben sei bereits angestoßen. „Wenn der öffent­ liche Dienst die Gleichstellung nicht hinbekommt, dann kön­ nen wir es auch von der Wirt­ schaft kaum verlangen. Hier sind wir Vorbild“, betonte Beh­ rens. Im Vergleich zur Wirt­ schaft stünden die obersten Bundesbehörden nicht schlecht da, ein Anteil von 35 Prozent Frauen in Führungspositionen sei aber eben auch nicht wirk­ lich gut. Problembewusst zeig­ te sich Behrens auch hinsicht­ lich einer gendergerechten Leistungsbewertung. Insbe­ sondere Teilzeitkräfte würden schlechter bewertet. „Wenn die Beschäftigten mit dem Be<< Die Teilnehmerinnen der Hauptversammlung der dbb bundesfrauenvertretung widmeten sich in der anschließen­ den Zukunftswerkstatt mit großem Engagement der Vorbereitung des dbb bundesfrauenkongresses. Dieser fin­ det im April 2020 in Potsdam statt. << Daniela Behrens, Abteilungsleiterin Gleichstellung im BMFSFJ, dbb Chef Ulrich Silberbach und die Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, Helene Wildfeuer (von links). © dbb bundesfrauenvertretung (2) 28 dbb > dbb magazin | November 2019

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