dbb magazin 6/2022

de entstigmatisieren: Sie sind vollwertige Eltern und als solche haben sie staatlichen Rückhalt verdient“, stellt Kreutz heraus, die selbst zeitweise alleinerziehend war. Manuela Barišić von der Bertelsmann Stiftung, die die Studie gefördert hat, bezeichnet insbesondere die Kombination aus Ehegattensplitting, steuer- und abgabenfreien Minijobs und fehlenden Betreuungsmöglichkeiten als problematisch in ihrer Wirkung. „Viele Frauen stecken in der Zweitverdienerinnenfalle fest. Dadurch sind es bei Trennungen und im Alter vor allem Frauen, die gravierende finanzielle Einbußen in Kauf nehmen müssen“, mahnt Barišić. Vielmehr sollten Alleinerziehende finanziell bessergestellt werden und durch verlässliche und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung entlastet werden. Betreuungskosten sollten steuerlich besser berücksichtigt werden Kreutz teilt die Einschätzungen Barišićs. Wer nach einer Trennung als Elternteil plötzlich allein dasteht, brauche vor allem unmittelbare und unbürokratische Unterstützung bei der Betreuung. „Kita- und Grundschulkindern muss der Zugang zu Ganztagbetreuungsangeboten grundsätzlich ermöglicht werden, und zwar unabhängig vom finanziellen Status der Eltern. Wir erleben zurzeit rasante Kostenanstiege in allen Bereichen des Lebens. Alleinerziehende tragen diese Mehrbelastungen mit nur einem Gehalt. Den steuerlichen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende entsprechend zu erhöhen“, so Kreutz, „wäre jetzt das richtige Signal.“ Sinnvoll sei zudem die Einführung eines festen Freibetrags, gestaffelt je Kind, der nicht nur steuermindernd wirke, sondern direkt von der Steuerschuld abgezogen werde. Eine weitere wichtige Maßnahme sieht Kreutz in der steuerlichen Berücksichtigung von Betreuungskosten in Form von Werbungskosten: „Das entlastet gerade berufstätige Eltern, die allein auf sich gestellt sind und setzt wiederum einen positiven Anreiz für verheiratete Mütter, eine existenzsichernde Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Der Gedanke, fürs Alter auch ohne Partner gut abgesichert zu sein, sollte immer präsent sein, rät Kreutz. „Wenn dann noch ein familiärer Pflegefall auftritt, wird aus alleinerziehend schnell alleinpflegend. Und gerade diese oft prekären Fälle muss die Politik im Blick haben. Mit der Einführung einer Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige im Stil des Elterngeldes könnten viele allein auf sich gestellte Mütter im akuten Pflegefall entlastet werden.“ bas „Wir müssen den Zugang zu familienfördernden Leistungen vom Familienstand entkoppeln und gleichzeitig Getrennt- und Alleinerziehende entstigmatisieren.“ Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung Die Studie „Wer gewinnt? Wer verliert? Die Absicherung von Lebenseinkommen durch Familie und Staat“ wurde von der Bertelsmann-Stiftung gefördert. Sie erschien am 29. April 2022. Download: https://t1p.de/studie-alleinerziehende Studie dbb magazin | Juni 2022

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