dbb magazin 7-8/2024

JUGEND Parlamentarisches Sommerfest der dbb jugend Viele Gäste, viel Input Das Ehrenamt stand im Mittelpunkt des Parlamentarischen Sommerfestes der dbb jugend am 6. Juni 2024 in Berlin. Mit dabei waren Gäste aus Gewerkschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Mehr als 100 Teilnehmende verfolgten eine Podiumsdiskussion und Impulsvorträge im „bUm – Raum für solidarisches Miteinander“ am Landwehrkanal in Berlin-Kreuzberg. In seiner Eröffnungsrede zeigte Matthäus Fandrejewski, Vorsitzender der dbb jugend, die vielen Facetten des Ehrenamts auf. Laut Bundesfamilienministerium engagieren sich in Deutschland fast 29 Millionen Menschen freiwillig. „Es ist offensichtlich, dass unsere Gesellschaft nur mit ehrenamtlichem Engagement funktionieren kann“, sagte Fandrejewski. Umso wichtiger sei es, dass die Politik das Engagement wertschätzt und fördert. „Ehrenamt braucht Anerkennung. Und daran hapert es teils gewaltig!“ Unter anderem kritisiert die dbb jugend, dass es – je nach Bundesland und Statusgruppe – unterschiedlich viele Sonderurlaubstage für gewerkschaftliches Engagement gibt. Beispiel: Tarifbeschäftigte des Bundes können acht Tage Sonderurlaub nehmen, Bundesbeamte hingegen nur fünf. „Hier brauchen wir dringend eine Angleichung und deutschlandweit einheitliche Standards“, betonte Fandrejewski. Vorbildcharakter habe die Praxis für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes in Hessen, die sich grundsätzlich für gewerkschaftliche Tätigkeiten freistellen lassen können. Bedingung ist lediglich, dass es dadurch zu keiner erheblichen Einschränkung des Dienstbetriebs kommt. Eine weitere Stellschraube, um das Ehrenamt attraktiver zu gestalten: finanzielle Anreize, etwa in Zusammenhang mit Sozialabgaben und Rentenpunkten. „Und nicht zuletzt sollten Kompetenzen, die man bei der Ausübung eines Ehrenamts erwirbt, auch im beruflichen Kontext anerkannt werden und in Beurteilungen eine Rolle spielen.“ Vorstandswahlen, Abstimmungen über Positionen – ehrenamtliches Engagement ist häufig in demokratische Strukturen eingebettet, insbesondere in Vereinen und Verbänden. Damit leistet es einen wichtigen Beitrag für die politische Bildung. „Der Zusammenhang zwischen ehrenamtlichem Engagement und Demokratie ist vielen leider gar nicht bewusst“, sagte Dr. Lilian Schwalb, Geschäftsführerin des Ressorts Netzwerk und Politik beim Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE). „Das wollen wir ändern. Wer das Ehrenamt stärkt, stärkt die Demokratie.“ Das BBE hat zahlreiche Vorschläge für die neue Engagementstrategie des Bundes beigesteuert, die das Bundesfamilienministerium federführend entwickelt und die voraussichtlich Ende 2024 vorgestellt werden soll. Im Kern geht es um die Frage, wie der Staat das freiwillige Engagement nachhaltig stärken kann. „Eine starke Zivilgesellschaft ist zwingend notwendig, um den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen, darunter der Klimakrise und digitalen Transformation.“ Daniela Broda, Vorsitzende des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR), betonte die soziale Bedeutung, die ein Ehrenamt für junge Menschen haben kann. „Wer sich ehrenamtlich engagiert, gestaltet seine Lebenswelt, erfährt Selbstwirksamkeit und knüpft Freundschaften.“ Nadine Ruf, SPD-Obfrau im Unterausschuss für bürgerliches Engagement im Bundestag, war vor ihrem Mandat lange ehrenamtlich in der Kommunalpolitik tätig. „Wenn wir junge Menschen ernst nehmen, füllen wir junges Engagement mit Leben“, so die Politikerin. Auf kommunaler Ebene habe es sich bewährt, Jugendparlamente einzuführen – „nicht bloß pseudomäßig, sondern ganz konkret mit Antrags- und Rederechten“! Auch Mitglieder aus den Fachgewerkschaften der dbb jugend steuerten ihre Erfahrungen und Gedanken zur Diskussion bei. Melissa Luck von der Gewerkschaft Arbeit und Soziales (vbba) unterstrich die Notwendigkeit, das Ehrenamt aufzuwerten, da die Fluktuation vielerorts hoch sei. Einen konkreten Vorschlag, wie das funktionieren könnte, machte Oliver Löwe, Mitglied der Bundesjugendleitung und der Pilotenvereinigung Cockpit (VC): „Bei uns in der Branche hängt eine Beförderung ausschließlich vom Start der Beschäftigung ab. Das nimmt Druck heraus und schafft Platz für ehrenamtliches Engagement.“ Maximilian Sturm vom Deutschen Berufsverband für Soziale Arbeit (DBSH) schilderte, dass es kaum gelinge, Menschen aus ökonomisch und sozial benachteiligten Familien für ein Ehrenamt zu gewinnen. „Wir brauchen Strategien, um auch diese Menschen anzusprechen“, forderte er. cdi Moderatorin Susanna Hölscher mit ihren Gästen Nadine Ruf, Lilian Schwalb, Matthäus Fandrejewski und Daniela Broda (von links). © Alexander Habenicht INTERN 33 dbb magazin | Juli/August 2024

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