dbb magazin 3/2019 - page 24

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Europa-Wahlkampf
Wettbewerb um Ideen nötig
Der dbb und das Netzwerk Europäische Bewe­
gung Deutschland (EBD) fordern im Vorfeld der
anstehenden Europawahlen einen echten euro­
päischen Wahlkampf, in dem es um handfeste
Programme für Europas Zukunft geht.
„Nur informierte Bürgerinnen
und Bürger können sich mit
einer vielfältigen europäi­
schen Demokratie identifizie­
ren und diese mitgestalten“,
betonte dbb Vize Kirsten Lüh­
mann anlässlich der Veröf­
fentlichung eines gemein­
samen Forderungskatalogs
der Spitzenverbände im EBD-
Netzwerk am 26. Februar
2019 in Berlin. „Mit einer
schlichten Wahl zwischen
‚Ja‘ und ‚Nein‘ ist niemandem
geholfen. Damit spielen wir
antieuropäischen Kräften in
die Hände“, warnte Lühmann,
die auch Mitglied im EBD-Präsidium ist. „Wir brauchen
wieder einen Wettbewerb
um Ideen und Zukunftsvisio­
nen. Das können wir nur mit
einem echten Wahlkampf er­
reichen, also: Beibehaltung
des Spitzenkandidatenprin­
zips der europäischen Par­
teifamilien, europäische
TV-Duelle und ein Parteien­
wettbewerb mit handfesten
Programmen für Europas
Zukunft“, machte die stell­
vertretende dbb Bundesvor­
sitzende deutlich. Dabei müs­
se man die proeuropäischen
Kräfte in der Zivilgesellschaft
bündeln. Die proeuropäi­
schen Parteien seien in der
Pflicht, sich um die besten
Ideen für Europa zu streiten,
so Lühmann.
Europäische Steuerpolitik
Einstimmigkeitsgebot schadet
Der stellvertretende dbb Bundesvorsitzende und
Chef der Deutschen Steuer-Gewerkschaft (DSTG),
Thomas Eigenthaler, unterstützt den Vorschlag
der Europäischen Kommission, auf europäischer
Ebene in Steuerfragen künftig nicht mehr einstim­
mig im Rat zu entscheiden.
„Den Mitgliedstaaten entge­
hen durch Steuerbetrug und
durch aggressive Steuervermei­
dung Einnahmen in hundertfa­
cher Milliardenhöhe. Leider blo­
ckieren einige Mitgliedstaaten
jeden Fortschritt im Rat der Eu­
ropäischen Union. Das ist nicht
länger hinnehmbar. Deshalb ist
es richtig, wenn hier in Zukunft
mit qualifizierter Mehrheit ent­
schieden wird“, sagte Eigentha­
ler am 7. Februar 2019. Die ag­
gressive Steuerplanung einiger
Mitgliedstaaten zulasten an­
derer verzerre zudem den
Wettbewerb im Binnenmarkt
zugunsten großer, transnatio­
naler Unternehmen. „Auf der
Strecke bleiben die ehrlichen
Unternehmen, vor allem kleine
und mittlere Betriebe, die zu
solch trickreichen Methoden
gar nicht in der Lage sind.“
Die in den vergangenen Jah­
ren auf europäischer und in­
ternationaler Ebene erzielten
Fortschritte seien nicht aus­
reichend, um effektiv mehr
Steuerehrlichkeit zu erreichen.
Zudem gebe es immer neue
Steuergestaltungsmodelle,
deren wirksame Bekämpfung
einfach zu lange dauere. „Es
hakt immer wieder im Rat,
weil da einige Akteure dank
des Einstimmigkeitsprinzips
ihre unlauteren Wettbewerbs­
vorteile verteidigen.“
Eigenthaler sprach sich als Al­
ternative für die Beschlussfas­
sung im ordentlichen Gesetz­
gebungsverfahren aus, weil so
mit qualifizierter Mehrheit im
Rat entschieden wird und
auch das Europäische Parla­
ment mitentscheidet. „Einzel­
ne Staaten oder Staatengrup­
pen können dann sinnvolle
Maßnahmen – wie etwa eine
konsolidierte Körperschaft­
steuer-Bemessungsgrundlage,
auf die wir seit bald zehn Jah­
ren warten – nicht mehr ver­
hindern. Wir brauchen eine
bessere Zusammenarbeit in
der Steuerpolitik – auch vor
dem Hintergrund der rasch
voranschreitenden Digitalisie­
rung, die unsere Volkswirt­
schaften massiv verändern
wird.“ Zudem gehe es um die
Sicherung eines fairen Wett­
bewerbs zur Stärkung des ge­
meinsamen Binnenmarktes.
© Alterfalter / Fotolia
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